In Südafrika geboren und aufgewachsen, studiert Hans Huyssen in Stellenbosch, Salzburg und München Cello und Komposition. Wesentlich prägend sind vor allem Harnoncourts Salzburger Seminare über historische Aufführungspraxis und die Kompositions-Meisterklassse bei Hans-Jürgen von Bose. Daraus resultieren einerseits eine intensive Konzerttätigkeit als Barockcellist mit diversen Ensembles auf historischen Instrumenten, andererseits eine stets anwachsende Werkliste, die inzwischen mehr als 60 Kompositionen umfasst.
 
photo Hans Huyssen Historische Aufführungspraxis ist für ihn keine historisierenden Rückschau, sondern der Schlüssel für das dezidierte Herausarbeiten von zeitspezifischen Ausdrucksmitteln und deren sinngemässe Übersetzung für zeitgenössische Ohren. So verstanden führt dieser interpretatorische Prozess zwangsläufig auch zu neuer, eigener Musik die zwischen historischem und gegenwärtigem Musikverständnis vermittelt. Als Cellist führt er vorwiegend Alte Musik auf, als Dirigent hauptsächlich Neue Musik. Als Komponist fühlt er sich komplementären Ansätzen aus beiden Ausdruckswelten verpflichtet insofern sie an die Notwendigkeit gemahnen, musikalisch immer sowohl innovativ als auch kommunikativ zu agieren.
 
Nach längerem Auslandsaufenthalt nach Südafrika zurückgekehrt gewinnt die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Ausdrucksformen einheimisch afrikanischer Musik zunehmend an Bedeutung. Die Anwendung der Prinzipien der historischen Aufführungspraxis ermöglicht eine Rezeption dieser ganz besonderen Form von ‘Alter Musik’ als speziell lokalisiert historisch, nicht prinzipiell fremdartig und exotisch und somit eine unmittelbare Zusammenarbeit mit einheimischen afrikanischen Musikern. Entgegen der musikalischen Vermischung vieler cross-over Projekte, versucht Huyssen hierbei gerade die musikalische Vielfältigkeit Südafrikas und den dadurch gegebenen ausserordentlichen Reichtum an unterschiedlichen Ausdruckmöglichkeiten herauszuarbeiten. Im Sinne eines interkulturellen musikalischen Dialog auf gleicher Augenhöhe entstehen die afrikanische Oper MASQUE (Libretto von Ilija Trojanow), The Songs of Madosini (mit der Xhosa Musikerin Latozi Mpahleni), Ciacona & Tshikona (als inszenierte Begegnung des traditionellen Venda Thikundwi kha Sialala Ensembles mit einem westlichen Symphonie Orchester), zahlreiche speziell kuratierte Konzerte, als auch die CD Produktionen Fynbos Calling und Remember Dido.
 
Huyssen erhielt Kompositionsaufträge vom Münchner Kammerorchesters, vom Audi Kulturfonds, der Siemens Kulturstiftung, der Deutschen Welle, dem Monteverdi Orchester München, der südafrikanischen Heinrich Schütz Gesellschaft, Pro Helvetia, dem National Arts Council of South Africa u.a. Für seine Proteus Variationen für grosses Orchester gewann er 2010 den Helgaard Steyn Award, Südafrikas wichtigsten Kompositionspreis.
 
Kompositionen wurden vom u.a. Mozarteum Orchester Salzburg, den Münchener Symphonikern, der Deutschen Kammerphilharmonie, dem Münchener Kammerorchester, dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik (&oUML;ENM), dem Chamber Orchestra of South Africa (COSA), dem Johannesburg und Cape Town Philharmonic Orchestra (JPO, CPO), dem South African National Youth Orchestra (SANYO), dem Sontonga und Amici Quartett, dem Dresdener Kreuzchor, dem Ensemble Uthingo und dem Ensemble Noir (Toronto) aufgeführt. Rundfunkaufnahmen von Dirigaten und Kompositionen des ORF, BR, Deutschlandradio Berlin und der Deutschen Welle liegen vor. Eine Auswahl von Werken ist bei Ries & Erler und dem Neue Musik Verlag Berlin verlegt. Das vollstŠndige kompositorische Ouevre ist bei dem online Verlag Alexander Street Press lizensiert.
 
Von 2005 – 2012 lehrte er an der University of the Free State in Bloemfontein, seit 2014 ist er senior lecturer an der Universität Kapstadt (UCT). Er ist fellow des interdisziplinären Forschungsinstituts Stellenbosch Institute for Advanced Studies (STIAS) wo er 2009/10 artist in residence war. Er ist musikalischer Leiter des Münchener Ensembles così facciamo, das sich durch innovative Barockoper-Produktionen einen Namen gemacht hat, als auch des in Kapstadt ansässigen Cape Consort, eines wegweisenden Ensembles für historisch informierte Aufführungen Alter Musik in Südafrika.